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Volles Risiko

Jakominiplatz Graz




(Einreichung Steirischer Herbst 2008)

1. Unbedingt…
…den literarischen Aufforderungen Folge leisten!
At: WORT HALT STILL

Literarische Durchsagen (an GVB-Haltestellen)

Struktureller Prolog_stadtkörper-textraum-nachtton

„Der Raum des Wartens. Das Geöffnete ist Zeit: um das Ding sich darstellen, um seine Gesichter sich entfalten zu lassen.”
(Hélène Cixous, Weiblichkeit in der Schrift)

Über alle an strategischen GVB-Haltestellen installierten Lautsprecher, die üblicherweise für verkehrstechnische Störfall-
Ansagen dienen, laufen LITERARISCHE DURCHSAGEN. Die Texte werden von ausgewählten Schriftstellerinnen speziell für
dieses Projekt und diese Struktur entwickelt. Sie werden im Studio von den Autorinnen selbst gelesen, digital aufgenommen
und nach einem zeitlichen Rhythmus für das Abspielen programmiert. Von einem zentralen Rechner, positioniert in der GVBLeitzentrale*/ Rondeau Jakominiplatz, werden die audiofiles abends von 21-24 Uhr, zur halben und vollen Stunde mit je 3
Minuten Text abgerufen und über die Lautsprecher „veröffentlicht“. Die Lautstärke ist so gewählt, dass nur der unmittelbare
Bereich der Haltestelle akustisch definiert wird.
* Von der GVB-Leitstelle aus wurde auch schon die Rhizom-Soundinstallation „zu atmen“ (1999) gesteuert und als Klangwolke über den Jakominiplatz gelegt.

Inhaltliche Anmerkungen
Es werden ausschließlich Autorinnen eingeladen, um die Präsenz von weiblichen Stimmen im öffentlichen Raum zu verstärken,
um Frauen-Stimmen Gehör zu verschaffen. Junge Frauen sind im öffentlichen Raum vor allem Projektionsflächen, Sex-Objekte
der Werbung. Sie sind „das schöne Objekt zum Anschauen“ (Luce Irigaray). Als Objekte des männlichen Blicks sind sie öffentliches Eigentum und Ware. Ältere Frauen, alte Frauen verschwinden von der Bildfläche. Was alle Frauen gemeinsam haben: sie werden nicht oder kaum gehört.

Die Texte können
·Fragen
·Anweisungen
·Verbote
·(Verkehrs-)Regeln
·Wünsche etc.
sein, die sich an diejenigen richten, die sich im öffentlichen Raum bewegen.

Es können
·(Alp-)Träume
·Bilder
·Beschreibungen
·Phantasien
von Räumen sein.

Die literarischen Formen können vom Gedicht bis zu Prosaformen, von der Liste über Litaneien, Lautliteratur, Wortspiele bis zum Bericht reichen. „Und was machen die Frauen? Sie bilden Wege, Bahnen, damit die Stimm-Wege im Ohr spielen wie Ihr es hört, denn die Stimmen gehen vom Körper aus. … Es geht also um Stimm-Wege. Wie man weiß, ist die Stimme etwas vollkommen Unvorsehbares, sie zieht ihre Bahnen, schwingt im Raum, hält inne, sie kommt außer Atem oder schöpft Atem, sie ist endlos, d. h. sie hat kein Ziel, sie geht, sie will.“
(Hélène Cixous, Weiblichkeit in der Schrift)

Inhaltliche Leitung: Margret Kreidl, Schriftstellerin, Wien

LISTE DER AUTORINNEN (vorläufig)

PETRA GANGLBAUER
geboren 1958 in Graz, lebt in Wien.
Freiberufliche Autorin und Radiokünstlerin in Wien. Lyrik, Prosa, Theorie, Hörstücke, Hörspiel.
Veröffentlichungen, u. a.: Im Schonungslosen, Gedichte mit Fotografien von Elisabeth Wörndl, Wien 2007;
Steine: Eine poetische Versuchsanordnung, ORF-Kunstradio, 2007; Der Himmel wartet, Prosa, Wien 2006.

ILSE KILIC
geboren 1958 in Wien, lebt in Wien. Autorin, Filmemacherin, Comixzeichnerin. Veröffentlichungen u. a.: GESCHIRR WASCHEN
SOLANGE DER MOND SICH UM DIE ERDE DREHT. fussnoten zur weltgeschichte, 2007; VOM UMGANG MIT DEN PERSONEN -
Eine Schöpfungsgeschichte, 2005; MONIKAS CHAOSPROTOKOLL - Im Dampfkochtopf von Oskars Moral, 2003.

MARGRET KREIDL
geboren 1964 in Salzburg, von 1983 bis 1996 in Graz, lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Prosa, Lyrik,
dramatische Texte, Hörspiele.
Veröffentlichungen, zuletzt: Mitten ins Herz, Wien 2005.
Aufführungen, zuletzt: Jedem das Seine, Theater Phönix, Linz 2006.
Hörspiele, zuletzt: Kinderspiel, ORF 2007.

ROSEMARIE POIARKOV
Geboren 1974 in Baden bei Wien, lebt in Wien.
Theaterarbeiten (Text, Regie und Produktion), Prosatexte.
Veröffentlichungen, u. a.: Eine CD lang. Liebesgeschichten, Wien 2001; Wer, wenn nicht wir, Wien 2007.

ANGELIKA REITZER
Geboren 1971 in Graz, lebt in Wien.
Schreibt Prosa, Lyrik und dramatische Texte.
Veröffentlichungen, zuletzt: Taghelle Gegend, Innsbruck, Wien 2006.

SOPIE ANNA REYER
Geboren 1984, lebt in Graz, studiert an der Musikuniversität Graz. Arbeit mit der der literarischen Gruppe labyrinth,
Komposition elektronischer Musikstücke, Veröffentlichungen in Zeitschriften.

LIESL UJVARY
Geboren 1939 in Preßburg, lebt als freie Autorin in Wien.
Poesie, Prosa, Hörspiele, Fotos, Musik, künstliche Intelligenz, Computerkunst, Arbeiten fürs Kunstradio/ORF.
Übersetzungen Russisch-Deutsch.
Veröffentlichungen, u. a.: Das reine Gehirn, Klagenfurt/Wien 1997, Kontrollierte Spiele – 7 Artefakte, Wien 2002,
heavy loops version, Kunstradio bei Extraplatte, Wien 2002; Alphaversionen, Wien 2006.

2. Unbedingt…
…die eigenen und die anderen Verrückungen L`Oréal nehmen!
(…weil wir es uns wert sind!)


At: rhizom 20.0 ( jubel!)
Angewandte Philosophie
rhizom mail-Anfrage an bulbul :
können die geschätzten bulbul gegen den traffic-sound-mogul am jakominiplatz anspielen?
können sie dies auf dem dach unserer nachttrafik tun?
können sie 20 jahre rhizom in 45 minuten bulbul spielen?
können sie so spielen, wie sie spielen? jajajajajjjajajjajjjjajaaaaaaa!
können die von uns geschätzten und geschützten bulbul das zum beispiel
im herbst/z.b. oktober tun?
zur vermeidung von größerem unglück?
abrazos
rhizomas de graz

ad bulbul aus exile on mainstream: (www.mainstreamrecords.de)
We want to introduce you to one of the best bands around! If you belong to that unique population of true music lovers you´ll
understand why this band needs to be loved. Their musical approach is a unique blend of the unexpected and the unpredictable
throwing monolithic rhythms down your throat that make you dance. Once your legs start moving, they´ve already left your body,
crossed the motorway, crashed straight into the roadside trees, and started cutting wood or maybe searching for small furry animals.
Bulbul incorporate pop music´s´superficiality as well as the structure beneath - they can annihilate the cheapest rhythm
and morph it into the most virtuous and complex arrangement, all within the blink of the eye. As monstrous walls of sound channel
into introspective patterns you just stand there, mouth agape while you ask yourself „how the hell this is possible and why
does it feel so good?“. You´ll find yourself searching to categorize bulbul with familiar band names such as MELVINS, TAR, SLINT,
THE JESUS LIZARD coming to mind - these names kind of come close, but then refuse to arrive. Welcome to the world of bulbul!
And even further: “Bulbul are one of the bands responsible for the existence of Exile On Mainstream. The Austrians have been
one of my favourite bands of all times and I still remember worshipping them back in the days when I was writing for fanzines. I
seriously thought back then: if I ever run a label it should be like this band: - no boundaries, no limits, an intense sense of humour
and riffs as big as the biggest plum dumplings my grandma used to make - now we got them.“ Andreas Kohl (Exile On Mainstream)
www.bulbul.at

3. Sich unbedingt…
…zu erinnern, dass wenn nichts mehr geht, immer noch was anderes geht!
At: fluxus-luxus(prekäär)


Stationenspiel

1. Station: Das Fluxus*-Luxus-Prekariart: „El Eden“, Jakominiplatz
Über die Sommermonate wird eine Produktion von Gütern des rhizomatischen Gebrauchs anlaufen. (von „raum mental“ zum „produkt real“). Eine zu Rhizom passende Flux-Shop Variante wird kreiert und in einem Laden im Umfeld des Jakominiplatzes umgesetzt. Ab Oktober läuft das Pilotrojekt in Form eines Prekariums, vorläufig für 1-3 Monate, paralell wird eine Umsetzung im Netz geplant.

2. Station: Admiral-Wetten, Monopol, Klassenlotterie – Hoffnung 2, Jakominiplatz
Der „Gewinn des Tages“ aus den Flux-Laden Einkünften wird in den oben angeführten Instituten im Spiel eingesetzt. (Windhundrennen, Carambol, Fussball, Lotto, Totto- Alles ist möglich!!!) Die Summe des Geldes, das am Ende des Monats übrig ist, bestimmt den weiteren Verlauf des Spiels.

3. Station: „Ochsengrill“– Dekadenz 3, Jakominiplatz Ost, Billa-Park-Jakominiplatz
„Unmoralische Realitäten – Unmoralische Rezepte“
Basis ist ein frei konfiguriertes Rezept (Richtung „Krönungsochse“) aus der Sammlung von Manuel Vazquez Montalban (1939 - 2003) , indem ein Ochse, gefüllt mit einem Schwein, gefüllt mit einem Lamm, gefüllt mit einem Truthahn, gefüllt mit einem Fasan, gefüllt mit einem Rebhuhn, gefüllt mit…, gegrillt wird. Zuletzt als Kern kommt jedenfalls eine mit Anchovis gefüllte Olive.
Sollte aus den Gewinnen aus Station 2 eine vollständige Umsetzung des Rezeptes möglich sein, wird der Ochse mit
seinen Innewohnern am Jakominiplatz-Ost gegrillt und einer öffentlichen Verköstigung zugeführt. Über Megaphon werden
politische Statements u.a. aus der letzten Veröffentlichung von Manuel Vazquez Montalban proklamiert.

{4. Station: „Adventstand“– Ökonomie 4, Hauptplatz: Das Geld für den Ochsen ist nicht zustande gekommen, somit wird in der verbotenen Zone am Hauptplatz ein improvisierter Adventstand (etwas zeitlich vorverlegt) gebaut, wo Gratis-Bier degustiert wird. Die zum Jakominiplatz abgewanderte „Platzcommunity“ wird herzlich eingeladen sich wieder personell-architektonisch in den Hauptplatz zu reintegrieren und Anbindung an die allseits beliebte Adventmeile – das erste Oktober-Avantgarde-Adventstandl am Hauptplatz zu finden.}

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