Nationalstaat 101: Wie man eine Grenze dichtet

Erfahrungsberichte von drei österreichischen Grenzübergängen 2015-2017
1. November 2018, 19:00
RHIZOM homebase, Annenstraße 52, 8020 Graz

… Die drei Beiträge von den Kultur- und Sozialanthropolog*innen Marlene Persch, Christopher Kalwei und Milo Strauss widmen sich dem Umstand, dass Grenzen nicht selbstverständlich im Raum stehen, sondern auf durchaus unterschiedliche Art und Weise erst „gemacht“ werden müssen. Im Anschluss an die Vorträge wird es eine offene Diskussion geben, die mit einem Kommentar von Petra Leschanz, Redakteurin der Informations- und AktivistInnenplattform „Border Crossing Spielfeld“, eingeleitet wird.

Grenzen sind harte Arbeit. Weil sie zuallererst nicht physisch, sondern nur im Reich des Ideellen existieren, braucht es viel Kraft, sie in die Wirklichkeit zu zerren. Die Linie im Sand braucht das Spektakel, das ihre Notwendigkeit und Funktionalität immer wieder aufs Neue bestätigt und sie an die Welt der Menschen bindet. Wurde die Grenze einmal etabliert, wurden Schranken und Zäune mit der Bedeutsamkeit großer Erzählungen versehen, sieht die Welt ganz anders aus: einem Waldstück ist nun die nationale Sicherheit, einem Hügelzug das Ende des Gemeinsamen eingeschrieben. Aber im Gegensatz zu Baum und Hügel stellt sich die Grenze von Mensch zu Mensch anders dar: der Beginn von Freiheiten oder ihr Ende. Vertraute, feindselige Bürokratien. Die Produktion von Bürgern, Asylanten, Illegalen. Verkehrsärgernis oder Schlüsselmoment eines ganzen Lebens.

Man hatte sie bereits aufgegeben, die österreichischen Grenzen zu Slowenien und Italien. Als Teil des europäischen Versprechens waren die Geschichten, die ihnen ihre Wirklichkeit verliehen, schon auf den „Schuttabladeplatz der Zeit“ (Reinhard Mey) verbracht. Als im Sommer 2015 die Fremden kamen, waren es vielerorts nur noch verwitterte Steine, die auf die Grenzverträge von Saint-Germain verwiesen. Die Grenzen wieder wahr werden zu lassen, war für die politischen Verantwortlichen eine der größten Herausforderungen dieser Tage. Ihrer Notwendigkeit eine Gestalt zu geben – harte Arbeit, wenn bereits ein Spaziergänger, ein „undokumentierter Übertritt“, eine Brücke über den Fluss oder ein Weingarten die Grundlagen des Unternehmens unterspülen können. Wie haben sie es gemacht?

Im Kurort Bad Radkersburg, im Transitlager Spielfeld und am Brennerpass forschten die Kultur- und Sozialanthropolog*innen Christopher Kalwei, Marlene Persch und Milo Strauss. Im Anschluss an die Vorträge folgt eine offene Diskussion, eingeleitet mit einem Beitrag von Petra Leschanz (Border Crossing Spielfeld).

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