g. Selbstreinigung als Heterotop #4
an.thon
RHIZOM, Annenstraße 52, 8020 Graz
Juni 2025
Bodentuch01
Ich finde es gut, wenn aus den Dingen der Alltag genommen wird und sie plötzlich dastehen in ihrer Schönheit, wo ihnen das Nützliche entzogen wird, wie an einem Sonntag, wo es nichts zu tun gibt.
Kommentar von Hannes Priesch_20. Juni 2025
Wir leben im Zeitalter der Gleichzeitigkeit, des Aneinanderreihens, des Nahen und des Fernen, des Nebeneinander und des Zerstreuten. Die Welt wird heute nicht mehr so sehr als ein großes Lebewesen verstanden, das sich in der Zeit entwickelt, sondern als ein Netz, dessen Stränge sich kreuzen und Punkte verbinden.
Foucault gebraucht Heterotopie in der allgemeinen Bedeutung anderer Räume; so ist auch sein Vortrag Des espaces autres, auf den das Heterotopie-Konzept zurückgeht, betitelt. Dabei geht es um Räume, die in Bezug auf uns vertraute räumliche Organisationen anders sind. Er unter- scheidet den Raum des Innen (espace du dedans) und den Raum des Außen (espace du dehors). In den Außenräumen befinden sich die anderen Räume – die heteroi topoi. Sie werden zu den Außenräumen, indem sie sich aus den Platzierungen, die den Innenraum konstruieren, in spezifischer Weise aus- grenzen. Heterotopien sind also Ausnahmen in dem buchstäblichen Sinn.
Sie widersetzen sich den uns vertrauten Räumen, indem sie diese „auslöschen, ersetzen, neutralisieren oder reinigen“. Insofern fungieren sie als „Gegenräume“, die „vollkommen anders sind als die übrigen.“
Zitat aus
Foucault: Die Heterotopien, 2005